Wo bin ich :Der VfL :Vereinshistorie :02. Die Gründung des KTV :02.1 Siegerland-Turngau
Der VfL
Uwe Bronnert am 22.01.2012
Der Kirchener Turnverein im Siegerland-Turngau 1886 - 1933
Am Montag, den 6. Dezember 1886 meldete die Siegener Zeitung: „Die Turnvereine des Siegerlandes und der Umgebung, welche bisher den VII. Bezirk im Märkischen Turngau bildeten, haben in der gestrigen Versammlung einstimmig beschlossen, einen eigenen Turngau unter dem Namen ‚Siegerland-Turngau‘ zu bilden. Dem neu gebildeten Gau gehören zurzeit 14 Vereine mit einer Mitgliederzahl von 1200 – 1300 an. Ein Gauturnrat, bestehend aus 7 Personen, ist bereits gewählt und mit den nötigen Vorarbeiten beauftragt. Derselbe hat dem im Januar stattfindenden ersten Gauturntag einen Entwurf der Gausatzungen sowie eine bestimmte Geschäfts- und Turnordnung vorzulegen. Soweit wäre denn, die Genehmigung des Kreisausschusses vorausgesetzt, das bisherige Verhältnis zum Märkischen Gau, dem die Vereine des Siegerlandes seit seiner Gründung im Jahre 1874 angehört haben, gelöst. Aufgabe der Vereine sowie jedes einzelnen Mitgliedes ist es, dahin zu streben, dass der neu gebildete ‚Siegerland-Turngau‘ sich als ein gesundes und kräftiges Glied in der Deutschen Turnerschaft gestalten und zum Segen und Nutzen der Turnsache im Siegerland gereichen möge.“

Bei der Gründungsversammlung am 23. Januar 1887 wählten die Vertreter der Turnvereine Betzdorf, Buschhütten, Eiserfeld, Hamm/Sieg, Herdorf, Hilchenbach, Kaan-Marienborn, Kirchen, Friesen Klafeld, Müsen, Niederschelden, Jahn Siegen, Auf der Hütten Weidenau und des Siegener Turnvereins Eduard Killer (Siegener Turnverein) zum 1. Gauvertreter und A. Kölsch (Turnverein Jahn Siegen) zum Gauturnwart.

Eigentlich hätten sich die vier Vereine aus dem Kreis Altenkirchen dem Turngau Lahn-Dill, der dem Turnkreis Mittelrhein angehörte, anschließen müssen. Wegen der besseren Verkehrsverbindungen lag es nahe, sich dem neuen Siegerland-Turngau zu zuwenden.

Wie sehr der Turnverein Kirchen im Siegerland-Turngau verwurzelt war, zeigt der folgende Abschnitt aus der „ Festschrift 100 Jahre Siegerland Turngau 1886 – 1986“ (S. 67): „Eine glückliche Stunde hatten unsere Turner, als sie anlässlich des Gauturntages im Jahre 1903 Fritz Textor aus Kirchen zum 1. Gauvertreter, Heinrich Gimbel aus Klafeld zum Gauoberturnwart und Karl Oft, Kaan-Marienborn, zum Gaumännerwart wählten. In der Folgezeit erwies es sich, dass dieses Triumvirat, von tiefer Begeisterung für die Sache durchdrungen, den Turnern in unserer Heimat die stärksten Impulse gab. Arbeitspensum, Uneigennützigkeit und Opfersinn dieser Männer fanden in der Deutschen Turnerschaft kaum ihresgleichen. Dreißig Jahre standen sie, vom Vertrauen des Turnervolkes getragen, ununterbrochen an der Spitze des Gaues.“

Die nationalsozialistische Machtergreifung 1933 warf auch dunkle Schatten auf den Siegerland-Turngau. Im Zuge der Gleichschaltung mussten der 1. Gauvertreter Fritz Textor und der Gauoberturnwart Heinrich Gimbel von ihren Ämtern zurücktreten, „weil sie nicht im Sinne der Partei – national zuverlässig waren.“ (S. 102) Auch schieden die Vereine des Kreises Altenkirchen aus dem Siegerland-Turngau aus, in dem sie so viele Jahre aktiv mitgearbeitet hatten. So war der Turnverein Kirchen 1908 und 1928 Gastgeber des Gauturnfestes.

Friedrich (Fritz) Textor, der auch viele Jahre dem Vorstand des Turnvereins Kirchen angehörte, erhielt 1932 die Ehrenurkunde der Deutschen Turnerschaft und wurde nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand des Siegerland-Turngaus Ehrenmitglied im neuen Sportkreis Siegen. In Dankbarkeit gedachten 1940 die Turner des Siegerlandes des verstorbenen langjährigen 1. Gauvertreters.

Siegener Zeitung, Nr. 192 vom 6. Dezember 1886

Gauvorstand/Kreisvorstand 1934
v. l.: Arnold Braun, Hermann Stähler, Karl Stötzel, Fritz Textor, Siepmann, Gustav Busch, Heinrich Freitag, Karl Oft, Fritz Stamm, Heinrich Gimpel, nicht bekannt, Wilhelm Forschepiepe, Hermann Jung, Karl Wildenberg, nicht bekannt, Karl Gelbach Quelle: Festschrift 100 Jahre Siegerland Turngau 1886 – 1986. Hrsg. Siegerland-Turngau, S. 103.

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